Brot für die Welt

Textil-Fabrik in der Freihandelszone "Index" in Nicaragua - Brot für die Welt fördert in mehr als 90 Ländern Hilfe zur Selbsthilfe Foto: In Nicaragua lassen viele internationale Bekleidungs-und Sportartikelunternehmen aus Europa und den USA für den Export nähen. Zu 60 Prozent sind es Frauen, die in den maquilas der Freihandelszonen des mittelamerikanischen Landes arbeiten? für einen Monatslohn, der kaum zum Überleben reicht, und ohne Arbeitsschutz und Sozialversicherung. Brot für die Welt unterstützt mit dem Partner MEC Frauenorganisationen und Gewerkschaften, die für bessere Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken kämpfen. Mehr dazu: www.brot-fuer-die-welt.de/projekte/nicaragua-textilfabriken. Bild: Karin Desmarowitz / Brot für die Welt

Berlin (ots|wro) - Fast 70 Millionen Menschen waren 2017 weltweit auf der Flucht vor Krieg und Konflikten. Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl um drei Millionen erhöht, haupt-
sächlich durch die Zuspitzung der Lage im Südsudan, in Syrien und Myanmar. Mit der Zahl der Flüchtlinge stieg auch die Zahl der Hungernden weltweit um 38 Millionen auf nun 815 Millionen Menschen an. Zuvor war die Zahl ein Jahrzehnt rückläufig. Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von Brot für die Welt, sagt: "Das muss uns alarmieren, nicht nur weil es Fluchtgründe schafft. Leider geht es in Deutschland derzeit jedoch vor allem darum, wie Entwicklungszusammenarbeit am effektivsten Flüchtlinge aus Europa fernhalten kann. Hier von Fluchtursachenbekämpfung zu reden, ist Augenwischerei."

Füllkrug-Weitzel warnt zugleich vor überzogenen Erwartungen: "Wir dürfen Entwicklungs-
zusammenarbeit weder instrumentalisieren noch überfrachten. Schon ein Blick auf die Haupttreiber von Flucht und erzwungener Migration zeigt, dass kriegerische Konflikte, Ernährungskrisen und klimabedingte Zerstörung von Lebensgrundlagen eine nachhaltige und ressortübergreifende Politik erfordern. Das muss eine Politik sein, die auch die eigene Mitverantwortung für die Fluchtursachen wie Waffenexporte und unfaire Handelsbeziehungen anerkennt."

Mit Sorge sieht Brot für die Welt den weltweiten Trend, Entwicklungsgelder auch für sicherheitspolitische und militärische Aufgaben oder Migrationskontrolle zu nutzen. So wurde das europäische Instrument für Stabilität und Frieden, kurz IcSP, das ausdrücklich für die Verhütung von Gewaltkonflikten und zivile Aktivitäten der Friedensförderung bestimmt war, 2017 für Militärhilfe geöffnet.

Mit Blick auf Migration erklärte die Präsidentin bei der Präsentation der Jahresbilanz in Berlin: "Wir brauchen Humanität und Solidarität. Wir brauchen eine humane, solidarische und entwicklungsförderliche Gestaltung der Migration. Wir sind überzeugt, dass dafür inter-
nationale Vereinbarungen und nicht nationale Alleingänge nötig sind." Vorbild könnte der Verhandlungsprozess zum Pariser Klima-Abkommen sein. Die Vereinten Nationen haben mit dem Globalen Migrationspakt ein sehr gutes Regelwerk entworfen, das im Dezember bei einer Gipfelkonferenz in Marokko besiegelt werden soll.

Auswirkungen des Klimawandels in Bangladesch - Brot für die Welt fördert in mehr als 90 Ländern Hilfe zur Selbsthilfe. Foto: Menschen holen sauberes Trinkwasser aus der Reverse Osmosis Wasseraufbereitungsanlage in Shyamnagar, Satkhira, Bangladesch. Der Meeresspiegel steigt, Sturmfluten nehmen zu, und immer häufiger fegen Wirbelstürme über Bangladesch ? der Klimawandel bedroht vor allem die ohnehin armen Menschen an der Küste. Ihre Häuser werden zerstört, Felder versalzen, Ernten fallen aus und Trinkwasser wird knapp. Unsere Partnerorganisation CCDB hilft den Betroffenen, dem Klima zu trotzen. Mehr dazu: www.brot-fuer-die-welt.de/projekte/bangladesch-klimawandel. Bild: Probal Rashid / Brot für die Welt

Füllkrug-Weitzel warnt zugleich vor überzogenen Erwartungen: "Wir dürfen Entwicklungs-
zusammenarbeit weder instrumentalisieren noch überfrachten. Schon ein Blick auf die Haupttreiber von Flucht und erzwungener Migration zeigt, dass kriegerische Konflikte, Ernährungskrisen und klimabedingte Zerstörung von Lebensgrundlagen eine nachhaltige und ressortübergreifende Politik erfordern. Das muss eine Politik sein, die auch die eigene Mitverantwortung für die Fluchtursachen wie Waffenexporte und unfaire Handelsbeziehungen anerkennt."

Mit Sorge sieht Brot für die Welt den weltweiten Trend, Entwicklungsgelder auch für sicher-
heitspolitische und militärische Aufgaben oder Migrationskontrolle zu nutzen. So wurde das europäische Instrument für Stabilität und Frieden, kurz IcSP, das ausdrücklich für die Verhütung von Gewaltkonflikten und zivile Aktivitäten der Friedensförderung bestimmt war, 2017 für Militärhilfe geöffnet.

Mit Blick auf Migration erklärte die Präsidentin bei der Präsentation der Jahresbilanz in Berlin: "Wir brauchen Humanität und Solidarität. Wir brauchen eine humane, solidarische
und entwicklungsförderliche Gestaltung der Migration. Wir sind überzeugt, dass dafür internationale Vereinbarungen und nicht nationale Alleingänge nötig sind." Vorbild könnte der Verhandlungsprozess zum Pariser Klima-Abkommen sein. Die Vereinten Nationen haben mit dem Globalen Migrationspakt ein sehr gutes Regelwerk entworfen, das im Dezember bei einer Gipfelkonferenz in Marokko besiegelt werden soll.

Einnahmen und Ausgaben

Brot für die Welt hat im vergangenen Jahr mehr als 61,8 Millionen Euro an Spenden und Kollekten erhalten. Das ist eine leichte Steigerung um 50.000 Euro gegenüber dem Vorjahr. Neben Spenden und Kollekten erhielt Brot für die Welt 2017 Mittel des Kirchlichen Entwicklungsdienstes (KED; 54,7 Mio. Euro) und Beiträge Dritter (150,6 Mio. Euro), vor allem aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Insgesamt standen dem Hilfswerk der evangelischen Kirchen und Freikirchen 282,2 Millionen Euro (2016: 273,5 Mio. Euro) zur Überwindung von Armut, Hunger und Ungerechtigkeit zur Verfügung, das waren 3,2 Prozent mehr als 2016.

Für die Projektarbeit waren 252,7 Millionen Euro oder 91,2 Prozent der Mittel bestimmt. Das entspricht einer Steigerung um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Weltweit wurden im vergangenen Jahr 680 Projekte neu bewilligt. Regionaler Schwerpunkt war Afrika. Die Ausgaben für Werbung und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit lagen bei 2,7 Prozent und für Verwaltung bei 6,1 Prozent.

Brot für die Welt arbeitet in mehr als 90 Ländern mit lokalen Partnern zusammen. Das evangelische Hilfswerk wurde 1959 gegründet und unterstützt Menschen unabhängig von ihrer Volks- oder Religionszugehörigkeit.

Zahl der Flüchtlinge:

Im Jahr 2017 waren nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) 68,5 Millionen Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht. Gut 40 Millionen der Flüchtlinge sind Binnenvertriebene, die in ihrem Heimatland Schutz suchen. Die meisten, die Grenzen passieren, bleiben in Nachbarländern. Von den 19,9 Millionen Menschen unter UNHCR-Mandat leben 16,9 Millionen in Entwicklungsländern. 3,1 Millionen Menschen unter den 68,5 Millionen sind Asylsuchende.

Zahl der Hungernden:

Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO (2017) waren 2016 815 Millionen Menschen unterernährt, das bedeutet einen Anstieg um 38 Millionen Menschen gegenüber dem Vorjahr. Ursachen sind vor allem Kriege, Vertreibung und Klimaveränderungen. www.brot-fuer-die-welt.de/bilanz